Metropol-Party: Was bzw. wer inspirierte dich DJ zu werden und wie lange hast du das Beatmixing geübt bis du das erste Mal vor Publikum aufgelegt hast?

Jörg Kranepuhl: Inspiriert haben mich damals Andreas Haase und Maximilian Lenz (Westbam). Ich habe ziemlich viel Zeit hinter der Kanzel gestanden und zugeschaut, irgendwann habe ich dann für wenige Monate als Lightjockey gearbeitet. Geübt habe ich nicht so lange, da ich dann Montags die "Behinderten Disco" im Metropol von Andreas Haase übernommen habe.

Metropol-Party: Wie entwickelte sich deine Karriere als DJ? In welchen Clubs hast du aufgelegt?

Jörg Kranepuhl: Ich habe während meiner Zeit in diversen Berliner Discotheken und Clubs Erfahrungen gesammelt, z.B. in den Großraum-Discos wie Big Eden, Extase, Cartoon oder Jet-Power sowie auch in einigen kleinen Clubs wie z.B. dem Krik oder Cha Cha.
Später war ich einige Jahre für die G+T Fun Discotheken (Gastronomie & Tanz) in den Gropiuspassagen, im Marzahner Freizeitzentrum „Le Prom“ und in Vogelsdorf tätig.
Im Laufe der Zeit kamen dann Bookings im gesamten Bundesgebiet, in Österreich, der Schweiz und in Italien dazu. Live-Sets im Radio gab es von mir auf Welle 1 Österreich. Aber auch bei der Loveparade und Open Air-Partys legte ich auf.

Metropol-Party: Lass uns nun über das Metropol sprechen. In den 80er Jahren war es der angesagteste Club Berlins. In welchem Zeitraum legtest du dort auf und wie kam es zu deiner Anstellung als Metropol DJ?

Jörg Kranepuhl: Angefangen habe ich, wenn ich mich recht erinnere, 1987 oder 1988.
Zu dieser Zeit gab es alle 4 Wochen, Montags, die sogenannte "Behinderten Disco". Das Metropol war die einzige Location in Berlin, die über einen Lastenfahrstuhl verfügte, in dem dann auch Rollstuhlfahrer befördert wurden. So das auch diese Personengruppe die Möglichkeit besaß, mal feiern zu gehen. Irgendwann hatte ich dann ein längeres Gespräch mit Jacques Ihle, der mich dann erst nur Freitags, später auch Samstag, im Vorprogramm, auflegen ließ. Dann spielte ich an allen Öffnungstagen.
Mit Unterbrechungen war ich 7 Jahre Resident-DJ im Metropol.

Metropol-Party: Die Lasershow und die High Energy Partys hatten Kultstatus. Bitte beschreibe aus deiner Sicht was den Club so besonders gemacht hat?

Jörg Kranepuhl: Die Lasershows waren immer das Highlight eines jeden Abends, und natürlich die Musik. Das Metropol hatte einen Charakter wie das Studio 54. Viele andere Läden haben versucht es zu kopieren, dies aber nie erreicht.
Die DJs waren die „Creme de la Creme“ zu diesem Zeitpunkt. Es gab viele die sich versucht haben, viele sind gescheitert, und nur eine Handvoll gehörte dazu.

Metropol-Party: Was war der eindruckvollste Moment für dich als DJ im Metropol?

Jörg Kranepuhl: Mein erster Abend ganz klar, Gänsehaut-Feeling pur!
Sowie auch die Neueröffnung nach dem Umbau, an dem ich Tatkräftig mitgewirkt habe.

Metropol-Party: Welches waren deine persönlichen Metropol Hits?

Jörg Kranepuhl: Da gab es viele, um ein paar zu nennen:
Samantha Gilles – "Let Me Feel It"
Vera – "Baby Won't You Dance With Me"
Phyllis Nelson – "I Like You"
Fresh – "Dum-Dum"
Lisa – "Rocket To Your Heart"
Kraftwerk – "Tour de France"
Patrick Cowley – "Menergy"

Metropol-Party: Spielten Remix Service Produktionen, wie z.B. von Disconet oder Hot Tracks, in deinen Sets eine Rolle, oder hast du sogar eigene produzierte Remixe benutzt?

Jörg Kranepuhl: Hot Tracks haben wir eigentlich alle gespielt, aber ansonsten waren das Importplatten - die frei im Handel erhältlich waren.

Metropol-Party: Brachte jeder DJ seine eigenen Platten mit, oder besaß der Club eine Plattenarchiv?

Jörg Kranepuhl: Das Metropol hatte eigene Platten, die durch die DJs gekauft wurden. Wobei es sich dabei eigentlich nicht um die geliebten Klassiker handelte, sondern eher das was man benötigte. Ansonsten hat jeder DJ eigene Platten mitgebracht.

Metropol-Party: Hattest du eine spezielle Art deine DJ-Sets aufzubauen, und welche Mixtechnik nutztest du überwiegend?

Jörg Kranepuhl: Anfänglich habe ich versucht meine Sets nach einem bestimmten Muster zu spielen, das klappte aber nicht denn dafür waren die Abende immer zu verschieden.
Man brauchte eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl, wobei Standardsongs immer gespielt wurden und dadurch gab es dann auch Standardmixe.
Mixtechnik? Es sollten gute, lange und kurze Mixe in Ausgewogenheit sein, Stimmung aufbauen und die Leute auch mal an die Bar schicken.

Metropol-Party: Welche technische Ausstattung stand dir damals als DJ im Metropol zur Verfügung?

Jörg Kranepuhl: Wir hatten 2 Technics MK II Plattenspieler, und CD-Player als die Zeit dazu gekommen war.

Metropol-Party: Wie waren die Rollen bei der Licht- und Lasershow zwischen Lightjockey und DJ verteilt? Oder lief da ein automatisches Programm ab?

Jörg Kranepuhl: Ein Programm lief nur bis der Lightjockey seine Tätigkeit aufnahm. Der war dann bis Morgens da und wenn er Feierabend machte, mussten wir DJs das dann mitmachen.
Es gab auch Zeiten, wo keine Lightjockeys da waren, da mussten wir dann den Abend über alles, bis auf die Lasershows, allein machen.

Metropol-Party: Welche anderen DJs legten zu deiner Zeit noch im Metropol auf?

Jörg Kranepuhl: Andreas Haase (DJ Haase), Maximilian Lenz (Westbam), Sascha Beach, Frank Broeschke (Franky B), Thomas Alsdorff, Martin Beck, Rolf Kobbert, DJ Steffen und DJ Chris.

Metropol-Party: War Discjockey in der damaligen Zeit für dich nur ein Nebenjob oder warst du freiberuflicher DJ?

Jörg Kranepuhl: Anfangs war es eigentlich nur ein Hobby, das ging dann bis zur freiberuflichen Tätigkeit.